Zeitgenössische Museumsarchitektur: Dienstleistung oder Selbstzweck?

MUSEUMSFÜHRER

Seit der Institutionalisierung von Kunstsammlungen im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört der Museumsbau ohne Zweifel zu den renommierten Bauaufgaben im öffentlichen Raum. Mit dem Ausstellungsboom in den 1980er Jahren geriet das Museum in Identifikationszwang. Über die üblichen an ein Museum gestellten Anforderungen repräsentativer und ästhetischer, funktionaler und städtebaulicher Art hinaus, hat das Museum heutzutage Identitätsstifter und lebendige Erlebniswelt der modernen Freizeitgesellschaft zu sein. Die Komplexität der Bauaufgabe Museum fordert vom einzelnen Architekten einen hohen Grad an Ideenreichtum und Durchsetzungsvermögen, aber auch viel Sensibilität und Kompromißbereitschaft. Aufgrund der großen Medienresonanz zählt der Museumsbau unter Architekten zu den begehrtesten Gestaltungsaufgaben - nicht zuletzt, weil er es in besonderer Weise ermöglicht, sich international zu profilieren.

Der vorliegende "Museumsführer" stellt Teilergebnisse des im Wintersemester 2002/03 am Kunsthistorischen Institut der Universität Heidelberg veranstalteten Proseminars zur zeitgenössischen Museumsarchitektur vor. Die sich an Studierende des Grundstudiums (1.-4. Semester) richtende Lehrveranstaltung fokussierte den Zeitraum von den 1980er Jahren bis heute und bezog neben europäischen auch amerikanische Museumsbauten ein. Von wegweisenden Bauten wie der Stuttgarter Staatsgalerie in Stuttgart von James Stirling (1984) und dem Museum für Kunsthandwerk (heute Museum für Angewandte Kunst) in Frankfurt am Main von Richard Meier (1985), lag ein besonderer Schwerpunkt auf Museumsbauten der vergangenen fünf Jahre, darunter die Gemäldegalerie am Kulturforum in Berlin von Hilmer & Sattler, das Jüdische Museum in Berlin von Daniel Libeskind, das Kunsthaus in Bregenz von Peter Zumthor, die Pinakothek der Moderne in München von Stephan Braunfels und das MuseumsQuartier in Wien von Ortner & Ortner.

Die Fragestellung "Dienstleistung oder Selbstzweck?" erforderte es, die Museumsarchitektur ästhetisch und funktional, im Hinblick auf ihre Qualitäten hinsichtlich der ausgestellten Kunstwerke und im Hinblick auf ihre Wirkung auf den Besucher zu analysieren. Diese Vorgehensweise schloß die dezidierte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Museumskonzepten ein und führte in vielerlei Hinsicht über rein architekturimmanente Fragen hinaus. Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob der Architekt jeder Bindung enthoben ist und gleich einem Bildhauer primär ein Kunstwerk schaffen, ob er der Kunst einen möglichst "neutralen" Raum im Sinne des viel beschworenen "white cube" zur Verfügung stellen, oder ob er sich nicht in erster Linie auf die jeweilige städtische Identität besinnen und damit auf die spezifische topographische Situation beziehen solle, konnte - wen wundert es (!) - nicht gefunden werden.
Wenn die nachfolgenden Kurzdarstellungen der Museumsbauten unterschiedliche Akzente setzen, so spiegeln sich hierin sowohl die Vielfalt der im Seminar besprochenen Aspekte als auch die persönlichen Interessen und Eindrücke der Referentinnen und Referenten.

Die Idee, aufbauend auf den von den Teilnehmern für das Seminar erarbeiteten Thesenpapieren einen "Museumsführer" für das Internet zu erarbeiten, regte Bärbel Welsch an. Im Rahmen ihrer studienbegleitenden Weiterbildung am Erziehungswissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg zum Lernberater Neue Medien (www.studbene.de) erarbeiteten wir gemeinsam das Konzept und das Layout. Die Leitung der studentischen Arbeitsgruppe oblag Frau Welsch, die in der Folgezeit mit großem Engagement den Teilnehmern Grundkenntnisse in html, im Umgang mit dem editor und in der digitalen Bildbearbeitung vermittelte. Ohne ihre Einsatzbereitschaft, die weit über das übliche Maß hinausging, wäre das Projekt nicht zustande gekommen.

Petra Klara Gamke

Die Museen: